So liebe Leute,
es ist Samstag Nachmittag und meine Pflichten der Woche sind erfüllt (Wäsche waschen, Arbeitshose flicken, Zimmer fegen) und ich kann mich mal in Ruhe und mit Muse der Schreiberei widmen. Der Blog ist zu 50% um euch auf dem Laufenden zu halten und zu 50% um meinem generellen Hirnchaos ob solch vielerlei Eindrücke Herr zu werden... falls ihr versteht. Die letzten Wochen waren so von Arbeit und Leute kennen lernen und generellem Sein beansprucht, dass die Einträge irgendwie immer etwas zu kurz kamen und mehr einem „was war los“ glichen und nur die Oberfläche der St. Lucia-Erfahrung gestreift haben.
Nachdem ich heut festgestellt hab, dass schon der 2. April ist und ich somit in fünf kurzen Tagen schon seit einem Monat unterwegs bin (was ich überhaupst gar nicht fassen kann, nebenbei bemerkt), ist also Zeit für ein kleines Fazit.
Als ich hier ankam war ich einfach nur froh, endlich was zu tun zu haben und eine generelle Idee a la „das mache ich die nächsten 6 Monate“ zu haben, das tat ungemein gut nach der Unstetigkeit der Monate davor. Die Projekte sind nach wie vor interessant, die Leute nett, ich lerne viel und kann mein gelerntes Wissen auch einsetzen... wunderbar also. Dass die Zusammenarbeit zwischen einer Regierungsbehörde und einer lokalen Abspaltung einer NPO ein mittleres Drama ist war ja zu erwarten. Wie ungemein hinderlich für Schwierigkeitsbewältigung es sein kann auf einer Mini-Insel zu leben, das war eine ganz andere Sache und wollte selbst erlebt, statt nur erdacht werden. An sich sind die Sachen hier erstaunlich gut organisiert, es fehlt natürlich an Geld und Ausrüstung, aber wo ist das nicht so. Aber wenn ich mich drauf einstellen kann, dass die Ersatzteile für mein Fahrzeug, dass für die Durchführung des Projektes (und das seelische und körperliche Wohlbefinden der Mitarbeiter) absolut essentiell ist, MINDESTENS einen Monat brauchen, um von den USA hierher eingeschifft zu werden... da bleibt mir doch die Spucke weg. Drehs und wends wie du willst, wenn du nicht persönlich rüber fliegst und sie holst, haste halt amal Pech... Wo ein Wille ist, ist auch in diesem Fall ein Weg, aber er führt durch 3 Länder und 15 Zollstationen und mit diesem blöden Landrover steht und fällt unsere Arbeit. Jetzt können wir uns mit dem (zum Glück unglaublich gut ausgebauten) Bussystem rumschlagen und zu unseren jeweiligen Arbeitsplätzen laufen, wie toll. Und mit dem Hund kann man noch nicht mal in den Bus einsteigen, selbst wenn man wollte, weil hier generelle Angst vor großen (Labrador, also eher mittel) Hunden herrscht und niemand den Hund einsteigen lassen würde. Da haste also den Salat. Die Globalisierung hat in St. Lucia insofern Einzug gehalten, als dass man Nesquick und dergleichen Späße kaufen kann, aber wenn man gern ein Autoersatzteil hätte wird man daran erinnert, dass man auf einer kleinen Insel in der Karibik hockt... ein Detail, an das ich gern öfter erinnert werden würde, aber nicht auf diese Art.
Aber na ja, über dieses Hindernis hab ich mich inzwischen ja schon mehr als genug ausgelassen, also zu erfreulicheren Dingen. Meine Wenigkeit hat heute zum ersten Mal Plantain-Chips selber gemacht und sie waren göttlich! Im Garten wachsen Bananen (nach oben) und die ham wir in dünne Scheiben geschnitten und frittiert, lecker lecker.
Außerdem hab ich einen neuen Mitbewohner, sein Name ist Egon und er ist orange und ein bisschen grün, hat große ehrliche Augen und frisst hoffentlich die ganzen Moskitos in meinem Zimmer J Hab einen Versuch gestartet ihn zu fangen, weil er auf meinem Moskitonetz saß, aber schnell aufgegeben, als er das erste Mal einfach einen Riesen Satz gemacht hat und quer übers Bett gesegelt ist. Eidechse müsste man sein, dann wär auch das Leguan-Fangen leichter.
Meine restlichen Mitbewohner haben inzwischen mitgekriegt wie verfressen ich bin und schütteln immer noch den Kopf drüber, sehr zu meiner persönlichen Erheiterung.
Oh und: einen Seeadler hab ich diese Woche gesehen, voll toll!
Im Großen und Ganzen ist das Inselleben ist insofern toll, als dass man sich auf begrenztem Raum bewegt und das Leben ein bisschen lokalisiert wird, was gut tut, weil es Tempo rausnimmt. Allerdings ist St. Lucia so entwickelt, dass man das Inseltum leider nur allzu oft vergisst, vor allem wenn die Leute mit irgendwelchem Smartphone kramszeug in der Gegend rumlaufen.
Vom biologischen Standpunkt her gesehen sind Inseln was Besonderes, weil sie natürliche Schutzgürtel aus Wasser um sich haben, was gut und schlecht sein kann. Für eine Insel wie St. Lucia heißt das, dass sich hier ein paar Spezies bewahrt haben, die wohl längst der Vergangenheit angehören würden, hätte St. Lucia Landgrenzen. Andererseits ist aber schade, dass St. Lucia so klein ist, dass es keine nennenswert großen natürlich vorkommenden Säugetiere gibt, was ich persönlich schade finde. Das größte Säugetier auf der Insel, dass auch hierher gehört, ist ein Agouti, eine übergroße Ratte die einem Meerschweinchen ähnlich sieht. Die Viecher sind süß, bin mir aber nich sicher, ob sie wirklich noch in freier Wildbahn vorkommen, auch so ein Salat. Aber na ja, Egon ist auch ganz putzig, auch wenn ich kein ausgeprägter Kaltblütlerfan bin.
So, soviel von mir für euch und jetzt, langt ja auch wirklich wieder... Aufgabe der Woche ist: Pfannkuchen-Frühstück für und mit jemandem, den ihr gern habt und ders verdient hat, mal verwöhnt zu werden. Wer keine Pfannkuchen mag darf auf was ähnlich einfaches ausweichen, ich empfehle Porridge J
Gehabt euch wieder mal wohl, empfangt mir den Sommer so wie es sich gehört!
Baba,
Caro
Pfannkuchenfrühstück wird gemacht :) Ich weiß da auch schon wer beglückt wird ;)
ReplyDeleteohne Küche musst halt Leut auf was einladen und wenns sonst keiner verdient hat, lad dich selber ein... gut oder?
ReplyDeleteAufgabe der Woche gilt für alle, mich und dich und den Nebenmann...
Sehr gut Eli, hoff der Herr mag Pfannkuchen... :-)